Sep 8 2014

Trollinger – Das „schwäbische Nationalgetränk“

Geschichte im Schnelldurchlauf:

Der eigentliche Ursprung des Lembergers liegt in Südtirol oder im Trentin, auch wenn die Sorte hier Vernatsch genannt wird. Durch die Römer wurden die Rebstöcke zuerst an die Bergstraße und in die Pfalz verbreitet. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts etablierte sich der „Blaue Trollinger“ dann auch in Wüttemberg.

Verbreitung und Bedeutung:

Der Trollinger ist eigentlich nur in Deutschland und unter dem Namen Vernatsch in Italien verbreitet.

In Deutschland sind etwas mehr 2500 Hektar Rebfläche mit Trollingerstöcken bepflanzt. Davon stehen allerdings etwa 2470 in Württemberg. Nur ganz wenige vereinzelte Winzer in den anderen Regionen arbeiten mit Trollinger. Das liegt vermutlich daran, dass sie meisten Weine nur mäßige Qualität und geringes Lagerungspotential aufweisen. In Württemberg ist der Trollinger dagegen vor dem Schwarzriesling und dem tiefdunklen Lemberger die meist angebaute rote Rebsorte. Das liegt auf der einen Seite, auch an den klimatischen Bedingungen. Die lange Vegetationsperiode der Stöcke verlangt nach südlicheren Gebieten. Aber auf der anderen Seite ist das inzwischen auch einfach traditionell bedingt, denn Trollinger-Weine gelten inzwischen schon als „schwäbisches Nationalgetränk“. Als klassischer Alltagswein wird er hier häufig täglich konsumiert.

In Italien findet man etwa 3.500 Hektar Rebfläche des Trollingers, verteilt auf folgende Gebiete: Bergamon, Bozen, Trient, Verona, Brescia.

Ganz vereinzelt findet man die Trollingerrebe auch in Frankreich, Portugal, Chile oder Großbritannien.

Trollinger Vesper Wein

Weine aus Trollinger

Die Farbe dieser Wein ist fast schon rubinrot. Ganz typisch für Weine aus Trollinger sind die kurzen Lagerfähigkeiten. Viele Produkte erreichen schon nach einem Jahr die ideale Trinkreife. Die sehr ertragreiche Sorte weißt einen auffällig hohen Säureanteil von etwa 7 bis 10 Promille auf.

Selten werden Trollinger-Weine als Prädikatsweine ausgebaut, da hier die Zugabe von Zucker nicht erlaubt ist.

So werden die meisten Weine zu kernigen, bodenständigen Tropfen gekeltert. Sehr häufig sind Verschnitte, zum Beispiel mit Lemberger anzutreffen.

Die Weine besitzen eine sehr hohe Bekömmlichkeit, was vermutlich ihre Beliebtheit in Württemberg erklärt. Sie passen gut zur klassisch schwäbischen Brotzeit, zum hellen Fleisch oder zu neutralem Frischkäse.


Aug 22 2014

Nebbiolo – Rote Edelrebe aus dem Piemont

Die Rotweintraube Nebbiolo ist eine Edelrebe, die im italienischen Piemont beheimatet ist. Sie wird häufig zu den edelsten Reben der Welt, dem Weinadel gezählt, und trägt entscheidend zum guten Ruf Italiens in der Welt bei. Denn obwohl nur auf etwa einem Prozent der italienischen Rebfläche Nebbiolo kultiviert wird, bringt diese Traube trotzdem häufig solche Spitzenweine hervor, dass sie wirklich entscheidend für italienische Topqualität steht.

Verbreitung

Der Nebbiolo ist und war, soweit man das zurückverfolgen kann, schon immer im Piemont beheimatet. So bedeckt er dort eine Rebfläche von 5000 Hektar, und stellt die wichtigste Rebsorte der Region dar. Die allermeisten Versuche, Nebbiolo außerhalb dieses Gebietes anzubauen, scheiterten. Schon innerhalb Italiens haben es bloß noch ein paar wenige Winzer im Veltlin geschafft, erfolgreich mit Nebbiolo zu arbeiten. Inzwischen gibt es einzelne Stöcke in der Schweiz und in Übersee, aber von den insgesamt weltweit 6000 Hektar Rebfläche, liegen ca. 5200 in Italien. Anscheinend fühlt sich der Nebbiolo in seiner Heimat, dem Piemont, einfach am wohlsten.

Piemont Barolo Nebbiolo Weinberg

Weinberge in der Nähe der Gemeinde Barolo im Piemont

Die Traube und ihre Anforderungen

Die Trauben des Nebbiolo sind dunkel bis blauschwarz, mittelgroß und sehr rund. Sie weisen einen sehr hohen Tanningehalt auf.

Am besten gedeiht die durchaus anspruchsvolle Rebe auf kalkhaltigen Mergelböden. Sie benötigt eher steile Lagen, die nach Süden oder Südwesten ausgerichtet sein müssen. Als früh austreibende Sorte ist sie sehr empfindlich für Spätfröste und tendiert relativ schnell zur Verrieselung. Für den Echten Mehltau und die Grauschimmelfäule ist sie anfällig.

Barolo und Barbaresco

Der Barolo und der Barbaresco sind wohl die beiden bekanntesten Spitzenweine aus der Nebbiolo-Traube. Für beide ist ein zu 100% reinsortiger Ausbau dieser Edelrebe vorgeschrieben. Sie kommen aus zwei unterschiedlichen Regionen innerhalb des Piemonts. Aufgrund ihrer sehr hohen Qualität und der begrenzten Mengen, sind diese Weine nicht nur viel nachgefragt, sondern natürlich auch nicht wirklich billig. Beides sind wuchtige, kräftige Rotweine, die sich zu Lamm oder durchgebratenem Fleisch eignen. Der Barbaresco wird als kleiner Bruder des Barolo bezeichnet und ist eleganter mit stärkeren Fruchtnoten. Beide dürfen nach frühestens 3 Jahren auf den Markt gegeben werden und haben unglaublich gute Lagerfähigkeiten.

Charakteristik eines Nebbiolo

Ein Spitzenwein aus Nebbiolo erkennt man an einer sehr dichten, fast rubinroten Farbe und einem starken Bukett mit Noten von Tee, Gewürzen, Rosen und teilweise sogar Teer. Er ist alkoholhaltig und tanninbetont. Mit dem Alter werden die Weine immer weicher und süßer. Die wahre Qualität vieler Nebbiolo-Weine kommt so erst nach Jahrelanger Lagerung zur Geltung. Aber je nach Boden finden sich auch starke Anklänge in Lakritzrichtung, wie zum Beispiel beim Barolo.

Noch ein sehr interessanter Artikel von Captain Cork zu diesem Thema.


Jul 1 2014

Grauburgunder in Deutschland – Eine unkomplizierte Rebsorte

Seinen Ursprung hat der Grauburgunder, wie sein Name schon verrät, in Burgund. Über die Schweiz und Ungarn fand diese Rebsorte dann allerdings auch irgendwann im 14. Jahrhundert ihren Weg von Frankreich nach Deutschland.

Bedeutung

Inzwischen hat sich der Grauburgunder auch über Mitteleuropa hinaus verbreitet. Man findet ihn nun beispielsweise in Übersee. Und auch seine Bedeutung in Deutschland nimmt zu. Knapp 6000 Hektar Rebfläche sind mit den grauen Burgunderstöcken bepflanzt, was ungefähr 5% der gesamten Rebfläche Deutschlands ausmacht. Besonders in Baden, der Pfalz und Rheinhessen sind große Flächen mit dieser Sorte bestockt.

Grauburgunder, Ruländer

Voraussetzungen für den Winzer

Der Grauburgunder gehört zu den unkomplizierten Rebsorten im Anbau. Er liefert konstant recht gute Erträge und kann hohe Mostgewichte erreichen. Durch seine Dichtbeerigkeit kommt es leichter zu einem Botrytisbefall zur Erzeugung edelsüßer Weine. Der Grauburgunder ist kaum frostempfindlich oder krankheitsanfällig.

Die besten Ergebnisse entstehen auf Lößterassen oder auf steinigem Kalkuntergrund. Zu lehmig sollte der Boden allerdings nicht sein.

Wie schmeckt ein Grauburgunder?

Der Grauburgunder wird gerne im Stahltank, im großen Holzfass, aber auch im Barrique mit biologischem Säureabbau ausgebaut. Die meisten Weine aus dieser Rebsorte werden trocken, mittelkräftig und teilweise säurebetont ausgebaut. Die Farbe ist je nach Qualität und Ausbaumethode zwischen blassgelb und bernsteinfaben. 

Grüne Nüsse, Mandel, frische Butter – Die Duftaromen decken ein breites Spektrum ab. Auch fruchtige Noten, wie Birne oder Trockenobst findet man noch neben den gemüsigen Tönen von Bohnen oder Paprikaschoten.

Ruländer oder Grauburgunder?

Ruländer und Grauburgunder sind ein und die selbe Rebsorte. Allerdings nennen sich badische Weine au dem grauen Burgunder Ruländer. Das dient dazu, sich von dem klassischen Gedanken eines schlanken, trockenen Weines, wie er meistens aus Grauburgunder gekeltert wird, zu distanzieren. Denn Ruländer werden anders an- und ausgebaut und ergeben so mindestens halbtrockene, aber eher süße, schwer, gehaltvolle Weine.

Speiseempfehlung

Ein guter Grauburgunder voller Leichtigkeit und jugendlicher Eleganz ist hervorragend als Sommerwein geeignet. Trockene Kabinettweine und Spätlesen harmonieren gut mit Meeresfrüchten, kräftigem Seefisch, Pasta, Lamm, Wildgeflügel und Jungwild sowie reifem Weichkäse. Die eher intensiveren, holzigeren Barriqueweine harmonieren dagegen gut mit Lamm oder leichten Wildgerichten. Die Ruländer oder fruchtig-süße Spätlesen ergänzen sich besonders gut mit fettreichem Edelpilzkäse, als Dessertwein zu Honig, Mandeln und sogar Marzipan.

Meine Grauburgunderempfehlung für Sie ist der 2012er Weingut Dönnhoff Grauburgunder trocken QbA.