
Was ist ein Tempranillo?
Tempranillo ist die bedeutendste Rotweinsorte Spaniens. Der Name leitet sich vom spanischen Wort „temprano“ (früh) ab und bedeutet „kleine Frühe“ – ein Hinweis darauf, dass die Beeren kleiner sind und früher reifen als beispielsweise die Garnacha-Traube. Tempranillo wird häufig mit Garnacha und Mazuelo verschnitten, etwa beim klassischen Rioja, der zu 60–90 % aus Tempranillo besteht. Die Rebsorte liefert tiefrote, würzige Weine mit gutem Lagerpotenzial. In diesem Artikel erfährst du alles über Herkunft, Geschmack, Qualitätsstufen und konkrete Empfehlungen – inklusive zweier exzellenter Rotweine aus unserem Sortiment.
Was macht Tempranillo besonders?
Tempranillo ist das Rückgrat des spanischen Rotweins. Seine Heimat ist die Iberische Halbinsel, wo er auf kalkhaltigen Böden und in Höhenlagen von 400 bis 800 Metern hervorragende Ergebnisse liefert. Die Rebsorte ist empfindlich gegenüber Klima und Boden – daher ihr Spitzname „Sensibel“. Typisch sind Aromen von Kirschen, Pflaumen, Granatapfel, Veilchen, Leder, Tabak und Kakao. Am Gaumen präsentiert sich Tempranillo oft fleischig, samtig und mit feiner Würze. Die Säure ist moderat, die Tannine sind weich bis fest. Dank ihrer Vielseitigkeit passt sie zu vielen Gerichten – von Tapas und gegrilltem Fleisch bis zu gereiftem Käse. In Spanien wird sie in zahlreichen DO-Gebieten angebaut, darunter Rioja, Ribera del Duero, Toro und Navarra. International findet man sie auch in Portugal (als Aragonez), in Argentinien, Mexiko, den USA und Australien. Die Rebsorte ist eine natürliche Kreuzung aus Albillo Mayor und Benedicto – das ergab die Genanalyse. Tempranillo-Weine können von fruchtig und jung (Crianza) bis zu komplex und langlebig (Gran Reserva) reichen. Die Beeren haben eine dicke Schale, was ihnen Farbe und Tannine verleiht. Der Ausbau im Barrique ist typisch, aber nicht zwingend – viele moderne Erzeuger setzen auf Edelstahl, um die Frucht zu bewahren.
Tempranillo unter 15 Euro – geht das wirklich?
Ja, absolut. In Spanien, besonders in Regionen wie Rioja, Ribera del Duero und La Mancha, gibt es hervorragende Tempranillo-Weine für unter 15 Euro. Das liegt an den günstigen Produktionsbedingungen: viel Sonne, karge Böden und eine lange Weinbautradition. Viele Bodegas produzieren hohe Stückzahlen bei gleichbleibender Qualität. Ein gutes Beispiel ist der Beloki Tempranillo 2020, der für rund 12 Euro 91 Punkte von James Suckling erhält. Auch der Demuerte Deluxe Tinto 2022 (eine Cuvée mit Monastrell, Syrah und Petit Verdot) zeigt, dass man für wenig Geld viel Qualität bekommt. Achte beim Kauf auf die Herkunftsbezeichnung (DO oder DOCa) und den Jahrgang – gute Tempranillos aus dem aktuellen Jahrgang sind oft schon trinkreif.
Unsere Empfehlungen im Detail
Beloki Tempranillo 2020
Der Beloki Tempranillo 2020 stammt aus der Rioja Alavesa, einer der besten Lagen der Rioja. Die Reben sind rund 40 Jahre alt und wurzeln in kalkhaltigen Böden auf etwa 600 Metern Höhe. Die Trauben werden von Hand gelesen und schonend verarbeitet. Ein kleiner Teil des Weins reift in Barriques, der größte Teil im Edelstahltank – das bewahrt die lebendige Frucht und verleiht gleichzeitig feine Struktur. In der Nase zeigt er Aromen von Kirschen, Pflaumen, Granatapfel, Kakao, Orangenblüten, Lakritz, Nelken und Veilchen. Am Gaumen ist er fleischig, sehr saftig, samtig, mit schöner Frucht, zarter Würze und langem Nachhall. James Suckling vergab 91 Punkte, unsere Redaktion bewertet ihn mit 90/100 Punkten. Dieser Wein beantwortet die Frage „Was ist ein Tempranillo?“ perfekt, weil er alle typischen Eigenschaften der Rebsorte vereint: Frucht, Würze, Eleganz und Trinkfreude. Passt hervorragend zu gegrilltem Lamm, Rindersteak oder Manchego-Käse.
Demuerte Deluxe Tinto 2022
Der Demuerte Deluxe Tinto 2022 ist eine Cuvée aus 80 % Monastrell, 15 % Syrah und 5 % Petit Verdot – also kein reiner Tempranillo, aber ein typisch spanischer Rotwein, der zeigt, wie vielfältig die iberische Weinwelt ist. Die Trauben stammen aus der DO Yecla, einer sonnenverwöhnten Region im Südosten Spaniens. Der Wein reift im Barrique und präsentiert sich konzentriert, mit Aromen von Heidelbeeren, Zwetschgen, Kirschkompott, Lakritz, Leder, Mokka, Kakao, Rauchfleisch, Pfeffer, Nelken und Veilchen. Am Gaumen ist er fleischig, druckvoll, samtig, mit feinem Saft und dichter Würze. Unsere Redaktion vergibt 93/100 Punkte. Auch wenn er nicht zu 100 % aus Tempranillo besteht, ist er eine exzellente Alternative für alle, die spanische Rotweine mit kräftigem Charakter suchen. Passt zu gegrilltem Schweinefleisch, würzigen Eintöpfen oder gereiftem Hartkäse.
Worauf solltest du beim Kauf achten?
Beim Kauf eines Tempranillo solltest du auf folgende Kriterien achten: Herkunft – die besten Lagen sind Rioja, Ribera del Duero, Toro und Navarra. Achte auf die Bezeichnungen DOCa (Rioja) oder DO. Jahrgang – Tempranillo aus guten Jahrgängen (z. B. 2019, 2020) ist oft lagerfähig, aber auch jung schon trinkbar. Ausbau – Crianza (12 Monate Barrique), Reserva (mind. 12 Monate Barrique + 24 Monate Flasche) und Gran Reserva (mind. 24 Monate Barrique + 36 Monate Flasche) geben Auskunft über Reife und Komplexität. Alkoholgehalt – meist zwischen 13 und 14,5 % Vol. Geschmacksprofil – magst du fruchtig und weich, wähle einen jungen Tempranillo ohne oder mit kurzer Barrique-Reife. Bevorzugst du kräftig und würzig, greife zu einem Reserva oder einer Cuvée. Lies auch unsere Rotwein-Kaufberatung für weitere Tipps.
Häufige Fragen zu Tempranillo
Ist Tempranillo und Zinfandel dasselbe?
Nein, Tempranillo und Zinfandel (auch Primitivo genannt) sind zwei verschiedene Rebsorten. Zinfandel stammt aus Kroatien und ist mit dem italienischen Primitivo identisch. Tempranillo hingegen ist eine spanische Sorte. Beide liefern kräftige Rotweine, aber Tempranillo hat meist feinere Tannine und eine höhere Säure, während Zinfandel oft süßlicher und alkoholreicher ist. Verwechslungen entstehen manchmal durch ähnliche Aromen von dunklen Früchten und Gewürzen.
Wie sollte man Tempranillo servieren?
Tempranillo wird am besten bei einer Temperatur von 16–18 °C serviert. Junge, fruchtbetonte Weine können etwas kühler (15–16 °C) getrunken werden, gereifte Reservas bei 17–18 °C. Vor dem Servieren empfiehlt sich eine Belüftung von 30–60 Minuten im Dekanter oder Glas, besonders bei Barrique-geprägten Weinen. So entfalten sich die Aromen optimal. Ein großes Rotweinglas mit bauchiger Form ist ideal, um die Nase zur Geltung zu bringen.
Passt Tempranillo auch zu leichten Gerichten?
Ja, aber mit Einschränkungen. Leichte Tempranillo-Weine (z. B. junge Crianzas oder Weine aus kühleren Lagen) harmonieren gut mit leichteren Gerichten wie Pasta mit Tomatensauce, gegrilltem Gemüse, milden Käsesorten oder sogar Fisch wie Lachs. Kräftige Reservas und Gran Reservas benötigen dagegen kräftige Begleiter wie gegrilltes Fleisch, Wild, Eintöpfe oder gereiften Käse. Generell gilt: Je leichter der Wein, desto leichter das Essen.
Fazit
Tempranillo ist die Seele des spanischen Rotweins – eine vielseitige, aromatische Rebsorte, die von fruchtig bis komplex alles bietet. Für Einsteiger eignet sich ein junger Tempranillo wie der Beloki Tempranillo 2020 mit seiner lebendigen Frucht und Eleganz. Wer es kräftiger mag, greift zu einer Cuvée wie dem Demuerte Deluxe Tinto 2022. Beide Weine zeigen, was spanische Rotweinkultur ausmacht: Charakter, Terroir und Trinkfreude. Probiere sie aus und entdecke die Vielfalt des Tempranillo!
Quelle: Wikipedia – Tempranillo
Clara Vogt arbeitete drei Jahre in einer Vinothek in Hamburg und macht heute Weintests für unabhängige Magazine. Sie trinkt lieber ehrlichen Gutswein als überteuerten Barrique-Pomp. Ihr Credo: Guter Wein braucht keine Heiligenschein – nur klare Herkunft.